Nach meiner Entlassung schien von der Ärzteschaft entschlossen worden zu sein, dass ich nicht überleben dürfte, um einen Skandal zu verhindern. Sollte ich nicht zu Hause sterben, war klar, dass die Charité Benjamin- Franklin meine Anlaufstation werden würde, wo man meinen Fall schon kannte. Als ich im Dezember 2015 das erste Mal in die Notaufnahme kam, wurde mir von der Oberärztin Fr. Dr. Hinkelmann als Aufnahmebedingung gestellt, dass ich die ersten Wochen eine Magensonde bekommen und nur 200 kcal Sondennahrung, weil sie wusste, dass ich davon abgeschreckt werden würde.

Ich weiß, dass durch den guten Ruf von Ärzten, die wenigsten diese Anschuldigung für gerechtfertigt halten werden.

Die Euthanasie/Eugenik-Ideologie gab es bereits vor dem 3. Reich in der Psychiatrie und mit Sicherheit verschwand sie nicht mit Kriegsende.

Im zweiten Weltkrieg befürworteten mit nur einer Ausnahme alle deutschen Psychiater den Mord von über 70.000 unschuldigen Menschen. Von Ärzteseite gab es keinen nennenswerten Widerstand gegen die Naziverbrechen, sehr viele waren aktiv beteiligt.

Warum sollte sich die moralische Disposition von damals grundlegend geändert haben?

 

Es gab wahrscheinlich selten so viel Dilettantismus und Ärztepfusch, wie in meiner Behandlung. Dazu kam, dass ich als der größte Schulmedizingegner und schwierigste Patient bekannt war. Das schlimmste war nicht mein Hang zur Respektlosigkeit und meine Besserwisserei, sondern dass ich es wirklich besser wusste, als die Ärzte. Für die Ärzteschaft war abzusehen, dass ich mich wehren würde, sollte ich wieder gesund werden, weswegen es offensichtlich im Interesse des Medizinkartells war, dass ich nicht überleben sollte. 

 

 

 

 

 

 

 

 

Exkurs Euthanasie:

Ich habe hier Ausschnitte aus einem SWR-Beitrag zusammengestellt, den man sich auch in voller Länge anhören kann.

https://www.ardmediathek.de/radio/Wissen/NS-Euthanasie-Die-Schuld-der-Psychiater/SWR2/Audio-Podcast?bcastId=220656&documentId=48634752

 

Ein Ansatz, warum die Medizin sich so schwer damit getan hat, ist sicherlich, dass in

dem Euthanasiegedanken, der ja kein nazistischer Gedanke ist, sondern der ein

Gedanke aus den 10er- und 20er-Jahren ist, natürlich ganz tief versteckt der

therapeutische Nihilismus drin steckt:

Zunächst einmal gab es ein großes gemeinsames Projekt, das 1933/34 begonnen

wurde, das war das Programm zur Massensterilisierung nach dem Gesetz zur

Verhütung erbkranken Nachwuchses, die praktische Umsetzung der eugenischen

Konzepte, die seit dem 19. Jahrhundert herangereift waren.

 

Die Eugeniker bemühten für ihre Ideologie Darwins Evolutionstheorie. Sie leiteten

aus seiner Lehre vom evolutionären Überlebenskampf ein Programm ab: eine

restriktive Bevölkerungspolitik. Nur die Leistungsstarken sollen sich vermehren

dürfen!

 

Das Zwangssterilisationsgesetz lag bereits bei Hitlers Machtergreifung fertig in der

Schublade. Gerade Mediziner begrüßten, dass mit Adolf Hitler endlich ein Politiker an

die Macht kam, der unerwünschtes Leben "wegzüchtet."

Etwa 400.000 Menschen wurden von 1933-45 zwangssterilisiert. Mehrere tausend

starben an dem Eingriff oder an deren Folgen.

 

Anstalts-, aber auch Hausärzte, Nachbarn oder Lehrer meldeten verdächtige

Personen dem Amtsarzt. Über die Sterilisation entschied dann ein

Erbgesundheitsgericht, dem ein Berufsrichter und zwei Ärzte, meist Psychiater,

angehörten. Opfer waren geistig Behinderte, aber auch psychisch Kranke, junge

Mädchen, die als triebhaft galten, und Menschen, die man für asozial hielt,

taubstumme oder blinde Menschen oder mit einem anderen körperlichen Makel

behaftet. Ob diese Erkrankungen vererbbar sind oder nicht, spielte bald keine Rolle

mehr.

Die Zwangssterilisationen bereiteten den Boden für die gezielten Krankenmorde. Sie

wurden von Hitler selbst per Erlass angeordnet und vermutlich auf den 1.9.1939, den

Tag des Kriegsbeginns zurückdatiert. Die sogenannte T 4-Aktion wurde benannt

nach der der Berliner Tiergartenstr. 4, wo die Euthanasieaktionen geplant, die

Transporte organisiert, das tödliche Gift beschafft und die Trostbriefe mit den

fingierten Todesursachen an die Angehörigen geschrieben wurden. Die Aktion lief

streng geheim.

 

Es gab eine Gruppe von etwa 50 Ärzten, die eng mit der Zentrale der Aktion T4 in

Berlin zusammen gearbeitet haben, und ohne diese wissenschaftliche Elite wäre

meines Erachtens dieser Massenmord so nicht denkbar gewesen. Sie haben das

Programm entworfen, sie haben die Indikationen, die als Kriterien bei der Tötung zur

Anwendung kommen sollten, bestimmt, sie haben das Selektionsverfahren

durchgeführt und sie haben den Massenmord auch mit gesteuert.

 

Die Patienten mit einem Pluszeichen wurden in eine der sechs Tötungsanstalten gebracht und vergast. Nur

Ärzte durften den Gashahn in den Duschen aufdrehen. "Desinfektion" hieß die

geheime Aktion T 4 im internen Sprachgebrauch, so als wären die Ermordeten

"Keime", die das Volk anstecken könnten.

 

In der Bevölkerung sprach sich die Ermordung der Patienten bald herum, und nachdem

auch die katholische Kirche protestierte, wurden 1941 die zentral gesteuerten

Krankenmorde eingestellt. Das Morden ging allerdings dezentral und versteckt

weiter. Dabei spielte es kaum mehr eine Rolle, ob der Kranke an einer vererbbaren

Krankheit litt. Hauptkriterium für die Selektion war die Arbeitsfähigkeit. Aber auch

unangepasste oder alte Menschen waren besonders gefährdet.

 

Er hat verzweifelte Briefe an seine Familie geschrieben, viele handeln vom Hunger.

In seiner Krankenakte steht als Todesursache "gehäufte Krampfanfälle". Vermutlich

ist dies genauso fingiert wie bei den anderen Euthanasieopfern auch.

 

Seine Frau hat nach dem Krieg einen Antrag auf Wiedergutmachung gestellt. Dieser

Antrag ist abgelehnt worden – wie alle Anträge, weil die Psychiatriepatienten nicht als

politisch oder religiös Verfolgte galten. D.h. die Angehörige sind auch nach dem

Krieg nochmals stigmatisiert worden. Man hat ihnen nochmals gesagt, "das ist kein

Verbrechen gewesen, was da mit euren Angehörigen passiert ist, sondern die sind in

einer Klink gewesen, dass sie da gestorben sind, gut – das kann passieren".

 

Die Anträge auf Wiedergutmachung wurden zum Teil von denselben Psychiatern

begutachtet, die an den Zwangssterilisierungen, Tötungsaktionen und

Menschenversuche der Nazizeit beteiligt waren. Nicht verwunderlich, dass sie die

Ansprüche der Opfer und ihrer Angehörigen ablehnten. Obwohl sie in die Eugenik

verstrickt waren, wurden sie sogar noch 1961 als Experten im Bundestagausschuss

"Wiedergutmachung" gehört. Zum Beispiel der Genetiker Hans Nachtsheim, der noch

damals im Sinne der Naziideologie argumentiert – bis in die Wortwahl hinein.

Zitator:

"Ich betone hier nochmals, … dass das Gesetz zur Verhütung erbkranken

Nachwuchses kein verbrecherisches Nazigesetz, sondern ein Erbgesundheitsgesetz

war. … Jedes Kulturvolk kann nicht auf Eugenik verzichten, und zu den wichtigsten

Maßnahmen zur Verhinderung eines Überhandnehmens der Erbkrankheiten gehört

die Unfruchtbarmachung aus eugenischer Indikation.

 

Geistiger Tod, Ballastexistenzen, lebensunwertes Leben, all diese Worte gehen nur

sehr schwer über die Lippen. Sie erschüttern und verstören zutiefst – und im Wissen

um die aktive Beteiligung von Psychiatern an Gleichschaltung, Zwangssterilisierung

und Mord erfüllen sie uns mit Scham, Zorn und großer Trauer.

 

Die Tabuisierung passt zum Umgang der Gesellschaft mit den Medizinverbrechen.

 

Es gab nach 1945 keine wirkliche Zäsur, es gab keine Aufarbeitung dieser Opfer des

Nationalsozialismus. Die ganzen Schwestern, Pfleger, Ärzte und Oberärzte, die das

alles gemacht haben, die blieben in den Kliniken. Die Gesellschaft wollte mit der

Psychiatrie nichts zu tun haben.

 

So Michael von Cranach, der 1980 als junger engagierter Psychiater die Leitung der

Nervenklinik im bayerischen Kaufbeuren übernahm und dort noch 35 Jahre nach

dem Zusammenbruch Nazideutschlands desolate Zustände vorfand. Im Dritten Reich

wurden in dieser Anstalt an die 2.000 Frauen, Männer und Kinder mit Giftspritzen

oder durch Hungerkost umgebracht.

Faltlhauser, den die Amerikaner noch wegen Mordes anklagen wollten, wurde von

der deutschen Justiz schließlich wegen Beihilfe zum Totschlag in minderen Fällen zu

drei Jahren Haft verurteilt – aber wegen seines Alters als haftunfähig erklärt und

sogar die Pension wurde ihm auf dem Gnadenweg wieder vom Innenminister

zugewiesen.

 

Nur wenige Täter werden nach dem Krieg bestraft. Hitlers Begleitarzt und

Euthanasiebeauftragter Karl Brandt wird im Nürnberger Ärzteprozess zum Tode

verurteilt. Der Anstaltsleiter der Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein, Paul Nitsche, wird

in Dresden hingerichtet. Kaum ein Arzt muss ins Gefängnis. Den meisten gelingt

nach dem Krieg schnell der Wiedereinstieg. Ihre Sicht auf den Menschen prägt bis in

die späten 60er-Jahre die Psychiatrie in Deutschland und verhindert lange eine

längst fällige Psychiatriereform.

Vor allem gibt es die große Gruppe der Schüler derer, die im Dritten Reich in die

Verbrechen involviert waren. Diese Gruppe einigte sich nach 1945 relativ schnell auf

eine Interpretation des Geschehens, die dann über Jahrzehnte hinweg für die

"scientific community" leitend gewesen ist.

 

Es wird konzediert, dass es einzelne schwarze Schafe gegeben habe, die, aus

welchen Gründen auch immer, Karrierismus, Ehrgeiz, Opportunismus, ideologische

Verblendung mitgemacht haben, dass die große Masse der Ärzte und

Wissenschaftler aber eigentlich nur unter Zwang gehandelt hätten.

 

Psychiater wie der junge Alexander Mitscherlich, der den Nürnberger Ärzteprozess

dokumentiert hat, oder Gerhard Schmidt, der die katastrophalen Zustände in der

Nervenheilanstalt Haar bei München bereits Ende 1945 öffentlich machte, wurden

von ihren Kollegen als Nestbeschmutzer bezeichnet und isoliert. Und die wenigen

Betroffenen, die überlebt hatten, wurden auch im Nachkriegsdeutschland weiter

stigmatisiert.

 

Es gab sogar Aussagen von Patienten. Aber die sind überhaupt nicht berücksichtigt

worden. Da hat man gesagt, "na ja, das sind Psychiatriepatienten, der ist ja

geisteskrank, dem kann man nicht glauben".

 

 

Ich bin ein großer Fan von Daniel Mackler. Von diesem Lied habe ich gerade einen Ohrwurm.

Eine ausgezeichnete Einführung wie Psychiatrie funktioniert.



Download
An Experience Much Worse Than Rape’: The End of Force-Feeding?
Ein Kapitel aus dem Buch "A History of Force Feeding" von Ian Miller.
Das vollständige Buch ist hier zu lesen: https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-319-31113-5
Miller2016_Chapter_AnExperienceMuchWorse
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Force-feeding of rational prisoners has been a source of controversy for over a century. And recently, it has been a source of widespread condemnation by medical and human rights associations. Physicians for Human Rights and the American Medical Association both declared that, “forcible feeding is never ethically acceptable.” The World Medical Association released guidelines “concerning torture and other cruel, inhuman, and degrading treatment,” which specifically address force-feeding — and these guidelines were endorsed by the Red Cross.




Ein Dokumentarfilm von Daniel Mackler über Schizophrenie, wo die Heilungserfolge ohne Psychopharmaka deutlich besser sind.



 

 

 

 

 

 

Elon Musks Brain Chip geht in die selbe Richtung.